Reisenotizen Schottland 2004

Whisky, Männer in Röcken, Schafe, Berge, Regenwetter, das alles ist Schottland, und noch vieles mehr. Im September 2004 war Schottland unser Reiseziel für einen knapp dreiwöchigen Urlaub. Das ideale Land für den Hanomag, schreibt doch der DuMont Reiseführer: „Das Schönste an dieser Landschaft ist die Ruhe, und die lässt sich nicht mit 160km/h finden, nicht einmal mit 80km/h.“

Gut gelaunt und bestens ausgerüstet mit Regenjacken und Mückenmittel machten wir uns auf den Weg nach Ijmuiden in den Niederlanden. Von dort sollte unsere Fähre nach Newcastle starten. Das Wetter war wunderbar, die Sonne schien, und es war sommerlich warm. Nach einer kurzen Irrfahrt auf der Suche nach dem Fähranleger mit einer Landiefahrerin im Schlepp (die einzig wichtige Kreuzung hatte keinen Wegweiser) und nach einer kurzen Kontrolle durften wir hinter einem Plastikwohnmobil auf die Einschiffung warten. Die Überfahrt war ruhig, die Nordsee glatt wie ein Spiegel. Die Insel zeigte sich jedoch von ihrer graueren Seite. Nieselregen und bedeckter Himmel. In Newcastle hielten wir uns nicht lange auf, sondern machten uns gleich auf den Weg gen Norden. Wir fuhren die Küstenstraße entlang über Ashington, Alnwick, Berwick-upon-Tweed und Dunbar nach Edinburgh.

Edinburgh ist eine wunderschöne Stadt, nicht umsonst von der Unesco als Weltkulturerbe geführt. Wir schlugen unser Lager auf dem Mortonhall Caravan & Camping Park auf und machten uns daran, die Stadt per Bus und zu Fuß zu erkunden.

Strahlender Sonnenschein begleitete uns. Waverley Station, Royal Mile und Castle Hill, George Street, überall in Edinburgh schnuppert man Kultur und Geschichte.

Edinburgh Castle

Das Wetter lud zum Spazierengehen ein, und so beschlossen wir, den „Hausberg“ von Edinburgh, den 214m hohen Arthur’s Seat zu besteigen. Man glaubt kaum, dass man sich nur eine Viertelstunde Fußweg von der Innenstadt befindet! Die Sicht war großartig, man konnte sich kaum satt sehen.

Arthur's Seat

Am nächsten Tag fuhren wir über die Firth of Forth Road Bridge weiter nach Norden. Die Highlands sind unser Ziel. Allmählich wird die Landschaft hügeliger, die Sonne ist noch immer unser Begleiter. Im Cromarty Firth haben ausgediente Bohrinseln ihren Parkplatz gefunden. Wir fahren weiter auf einer schmalen Single Track Road zu den Falls of Shin. Dort kann man die Lachse bei ihrer Reise flussaufwärts beobachten. Inmitten der Idylle ein riesiger Busparkplatz. Glücklicherweise waren nicht allzu viele Leute da. Die Lachse entzogen sich übrigens unseren Bemühungen, sie bei ihrer sportlichen Höchstleistung zu fotografieren.

Wir fuhren weiter nach Lairg und wandten uns dann westwärts durch die Highlands. Eine Single Track Road führte uns durch eine wunderschöne und einsame Gegend, die bei dem strahlenden Sonnenschein fast seltsam anmutet. Wir übernachteten am Rande von Loch Merkland. Der nächste Morgen wartete mit interessanten Nebel-Sonnen-Spielen auf.

Hano am Morgen, Nebel im Hintergrund

Unser Weg führte uns weiter an die schottische Westküste. Wir wollen zum angeblich schönsten Sandstrand des schottischen Festlands, der Sandwood Bay wandern. Auch an diesem Tag blieb die Sonne unser Begleiter. Wilmaaa bekam beim Wandern glatt einen Sonnenbrand. An Sonnenschutzcreme hatten wir für Schottland natürlich nicht gedacht! Sandwood Bay ist in Natura noch schöner, als alle Reiseführer behaupten. Wir ließen uns auf einem Felsen nieder und genossen den Blick aufs Meer.

Der Atlantik

Zurück zum Auto wanderten wir über die Klippen, stets begleitet von Schafen. Bei schönem Wetter ist der Weg über die Klippen ein Erlebnis, bei schlechtem Wetter zu gefährlich. Über weite Teile folgt man nur den Schafkötteln – eine gewöhnungsbedürftige Wegmarkierung.

In der Fishermen’s Mission in Kinlochbervie ließen wir uns Fish’n Chips schmecken und fuhren dann weiter gen Süden, über Laxford Bridge und Scourie zum Duartmore Forest. Dort schlugen wir unser Nachtlager auf. Gähnende Leere in der Cornflakes-Packung ließ uns auf die Suche nach dem nächsten Laden gehen. In den Highlands gar nicht so einfach! Die menschlichen Behausungen liegen doch weit auseinander, und beileibe nicht jedes Dorf hat auch einen Laden. Wir starteten gemütlich in den Tag. Die 1994 eröffnete Kylesku Bridge lud zu einem längeren Foto-Stopp ein.

Die Kylesku Bridge

Hinter Newton begaben wir uns auf die B869, laut Schild „unsuitable for coaches and caravans“, und von den Einheimischen liebevoll die „Breakdown Zone“ genannt. Landschaftlich ist die Strecke wunderschön, und es lohnt sich, den Abstecher zu fahren. Natürlich nur, wenn man keine Angst vor Kurven und Steigungen und Gefälle bis zu 25 Prozent hat!

Für uns Leuchtturmfans stand dann das Stoer Lighthouse auf dem Programm. Besichtigen kann man es nicht, aber fotografieren mussten wir den Leuchtturm natürlich.

Der Leuchtturm von Stoer

Wir wanderten dann zum Old Man of Stoer, einer Felsformation, die mit etwas Phantasie wirklich aussieht wie ein alter Mann. Von dort aus erklommen wir den 161m hohen Sidhean Mòr, der eine grandiose Aussicht bietet. Lochinver, die größte Ansiedlung der Gegend, biete neben einer Tankstelle auch einen Supermarkt. Eine gute Gelegenheit, unsere Vorräte aufzustocken. Am Nachmittag wanderten wir zu den Falls of Kirkaig, und fuhren dann auf der Breakdown Zone weiter in Richtung Süden. Auf dieser Route wird schnell klar, warum die schottischen LKW nicht wesentlich breiter als ein Hanomag sind – mit unserem Deutz hätten wir auf der schmalen Straße zwischen Fels und Loch ziemliche Mühe gehabt. Die Nacht standen wir auf dem Wanderparkplatz direkt am Stac Pollaidh. Jede Menge Mücken, und am nächsten Morgen Wolken, Wind und Regen.
 
Loch Lurgainn im Nieselregen

Die nächsten zwei Tage verbrachten wir in Ullapool, neben Inverness die einzige Stadt in den Highlands. Von Ullapool startet die Fähre nach Stornoway auf den Äußeren Hebriden. Das Wetter blieb wechselhaft, und die Überfahrt war ein wenig stürmisch. Aber auf Lewis, der größten Insel der Outer Hebrides, erwartete uns wieder die Sonne. Wir fuhren zunächst zur Ostspitze der Insel, um den dortigen Leuchtturm zu fotografieren. Danach bummelten wir durch Stornoway, dem Zentrum der Inseln mit 8000 Einwohnern, einem Museum, einer Bibliothek und sogar einer kleinen Fußgängerzone. Die Straßenschilder sind zweisprachig englisch und gälisch, und die Nähe zum Meer ist überall zu spüren. Von Stornoway aus fuhren wir eine Nebenstraße Richtung Norden, bis zu ihrem Ende am Traigh Gheiraha. Dort gibt es einen schönen Parkplatz, und im Gegensatz zu den Highlands, wo auf vielen Parkplätzen das Übernachten verboten ist, ist es hier gar kein Problem. Am nächsten Morgen durfte sich Hano die Räder abseits der befestigten Straßen vertreten.

Hano abseits der Straße

Sonnenschein und Regen wechselten sich ab, ein typisches Wetterphänomen auf den Inseln. Wir fuhren dann quer über die Insel in nordwestlicher Richtung weiter. Bis Barabhas ist weit und breit nur Moorlandschaft. Einsam, bräunlich, leer und eindrucksvoll. Bei Barabhas wandten wir uns wieder gen Norden, um zum Rubha Robhanais, dem Butt of Lewis, zu fahren. Dort, am A... der Welt, steht ein Leuchtturm, da müssen wir natürlich hin. Die Straße führt durch kleine Siedlungen, in den Hinterhöfen stehen Auto- und Buswracks, die als Lager genutzt werden. Am Leuchtturm starker Wind und Regen, fünf Meilen weiter südlich wieder Sonnenschein. Man sagt, auf den Hebriden könne man an einem Tag bis zu vier Jahreszeiten erleben. Stimmt. Nach einem Spaziergang durch die Dünen fuhren wir wieder in Richtung Süden, an der Küste entlang. Hinter Siabost parkten wir am Traigh Uuige, misstrauisch beäugt von Schafen. Während der regnerischen Nacht schlugen einige Schafe ihr Nachtlager unter Hano auf, waren aber am Morgen wieder unnahbar wie immer. Wir besichtigten die rekonstruierte Norse Mill and Kiln, und folgten dann den Spuren der Geschichte zum Dun Charlabhaigh, einem alten Wehrturm. Von dort aus ging es weiter zu den Calanais Standing Stones, dem „Stonehenge“ der Inseln.

Die stehenden Steine von Calanais

Je weiter südlich man kommt, desto eher erinnert die Landschaft wieder an die Highlands. Auf den Hebriden findet man weitläufige und wunderschöne Strände, und wir lassen uns von der schier unendlichen Weite verzaubern. Unser Weg führte uns weiter nach Tarbert auf Harris. Von dort aus wollen wir die Fähre auf die Insel Skye nehmen, und reservierten uns schon einmal einen Platz. Eigentlich wollten wir auch wandern, aber das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Es war einfach zu stürmisch, und wir beschlossen, nochmal nach Stornoway zu fahren, und das Museum of the Isles zu besuchen. Ein Besuch, der sich lohnte! Wie viele Museen in Großbritannien ist auch dieses kostenlos, und es gibt eine Menge zu sehen. Natürlich besuchten wir auch den Shop der Royal National Lifeboat Institution, nachdem wir den neuen Seenotkreuzer bereits fotografiert hatten. An diesem Nachmittag waren wir wohl die einzigen Besucher, und die nette ältere Dame im Laden freute sich sichtlich über Gesprächspartner.

Vor unserer Überfahrt nach Skye fuhren wir noch zu einem weiteren berühmten Strand, dem Traigh Losgaintir. Wir begegneten ein paar Einheimischen – einem Pferd, das sich nicht fotografieren lassen wollte, weil es die Kamera viel zu interessant fand, und zwei Hunden, die es sich nicht nehmen ließen, ihren Hof lautstark zu verteidigen.

Die Hebriden sind dünn besiedelt, und an die einsame Weite kann man sich gut gewöhnen. Auf Skye, die größte Insel der Inneren Hebriden, ist wesentlich mehr los. Der vergleichsweise dichtere Verkehr bedeutet auf den ersten Kilometern eine Umstellung. Skye empfing uns mit Nieselregen und Sturm. Highlight dort war der Besuch der Talisker Distillery. Ein sehr feiner Whisky, allerdings durch die hohe Alkoholsteuer nicht gerade preisgünstig. Bei der Ausfahrt des Parkplatzes des Visitor Centre der Hinweis in mehreren Sprachen: bitte auf der linken Seite fahren!

Von Armadale setzten wir mit der Fähre nach Mallaig über, normalerweise ein Hüpfer von knapp 25 Minuten. Durch den starken Wind verdoppelte sich die Fahrtzeit. Wieder auf dem schottischen Festland besuchten wir die Mallaig Marine World, ein Aquarium mit Fischen und sonstigem Meeresgetier aus der Region und geleitet von einem Meeresbiologen, der nicht müde wird, von seinen Schätzchen zu berichten. Durch schottische Wälder fuhren wir dann in Richtung Fort William und entdeckten in den Nähe von Loch Eilt einen idyllischen Wanderparkplatz, den wir für die Übernachtung wählten.

Parken unter Bäumen

Fort William am Fuße des Ben Nevis ist eine sehr touristisch angehauchte Kleinstadt, und kaum bewegten wir uns wieder auf den typischen Touristenpfaden, schlug das Wetter wieder um. Es regnete stark, so, wie man sich Schottland halt vorstellt. Wir folgten der A82 weiter Richtung Süden. Die Landschaft ist schön, Loch Leven, Glen Coe, Black Mount, und dann Loch Lomond.

Da wir einen Besuch im Glasgower Museum of Transport geplant hatten, verbrachten wir die Nacht auf einem Campingplatz in einem Glasgower Vorort.

Das Museum ist ein Erlebnis! Leider hatten wir keinen Fotoapparat dabei. Es gibt Autos, Busse, Straßenbahnen, Lokomotiven, Kutschen, Zweiräder und einige riesige Sammlung Schiffsmodelle jeglicher Couleur. Wir hätten tagelang bleiben können... Glasgow selbst ist eine faszinierende Stadt, um einiges größer als Edinburgh und hat sogar eine U-Bahn. Die musste übrigens am Eröffnungstag wegen einer Entgleisung und einem Zusammenstoß gleich wieder schließen. Inzwischen scheint sie reibungsloser zu funktionieren.

Unser nächstes Ziel war das Scottish Maritime Museum in Irvine. Auch hier gab es viel zu sehen. Angefangen von einer großen ehemaligen Maschinenhalle, in der man Schiffsmotoren, Kajaks, kleine Boote, Galionsfiguren und vieles mehr bestaunen konnte, bis hin zum Kai, an dem die größeren Schiffe vor Anker liegen. Technisch angehauchte Geschichte begleitete uns auch am nächsten Tag. Wir besuchten das Dunaskin Heritage Centre, eine ehemalige Eisenhütte und Ziegelbrennerei. Hier wird seit einigen Jahren versucht, aus dem Fabrikgelände ein Freilichtmuseum zu machen. Wir waren nahezu die einzigen Besucher. Es ist eine trostlose Gegend mit hoher Arbeitslosigkeit.

Unsere Zeit in Großbritannien neigte sich langsam, aber sicher dem Ende zu. Über eine schöne Nebenstrecke fuhren wir nach Dumfries, und bald waren wir wieder in England. Unsere letzte Nacht verbrachten wir auf einem Campingplatz nicht weit von Newcastle. Die Nähe zum Hadrian’s Wall war auch hier zu spüren: die Stellplätze hatten römische Namen. Kaninchen hoppelten über den Platz, und das Wetter zeigte sich nochmal von seiner schönsten Seite.

Dann war die Zeit des Abschieds gekommen. Unser Schiff brachte uns sicher zurück nach Ijmuiden, und nach einer unspektakulären Fahrt über holländische und deutsche Autobahnen kamen wir nach nahezu drei Wochen wohlbehalten zuhause an.

Fazit: Schottland ist eine Reise wert! Wir legten insgesamt 3127 Kilometer zurück. Technische Probleme gab es so gut wie keine, und die wenigen Menschen, die wir trafen, waren von Hano fasziniert. Die schönsten Zitate finden sich im Bereich Fahrzeuge unter dem Kapitel „Sprüche“.

 

Die Reiseseite von hano-mag-ich.com